“Ich bin wie ein Koch. Wenn ein Film fertig ist, setze ich mich hin und schaue, ob die Sache den anderen schmeckt.” Roman Polański

Die Regiearbeit für die inszenierte Lesung von Nils Holgersson zu übernehmen war sicher nicht mein innigster Wunsch. Bis zuletzt hielt ich ihn für einen der kritischen Punkte in der Produktion, neben der Länge des Buches. Ich habe schlicht keine Erfahrung in der Regiearbeit. Aber ich habe viele Hörbücher und Hörspiele gehört und ich weiß was für mich gut klingt.

Während meines ersten Studiums habe ich Radioerfahrung sammeln können. Am allerliebsten habe ich Livesendungen “gefahren” – das heißt: an den Reglern die Komposition Musik – Wort – Jingle – Beitrag – usw. bestimmt. Darum macht mir das “Puzzeln”, wie ich es nenne die einzelnen Stimmen aneinander zu setzen, auch so viel Spaß.

Da ich mich mit dem Aufnahmetool einigermaßen auskannte, unser Bürostudio von mir schon öfter okkupiert wurde, war gesichert, dass jemand aus dem Team von Audible die Aufnahmen zum Projekt Nils Holgersson machen kann. Das mir damit auch die komplette Regie auferlegt ist, wurde mir erst später klar.

Regie

Ich gehör zum Typ: Ich fang dann einfach an und probier mich aus, das wird schon irgendwie..

Das Projekt umfasst aktuell über 60 Leute, also Sprecher – (fast ) alles Laien. Da kommen also die unterschiedlichsten Charaktere zu einer Produktion mit einer unerfahrenen Regisseurin. Der große Vorteil ist, wir kennen uns alle sehr gut – wir arbeiten zusammen. Die Hemmschwelle ist relativ gering. Nervosität kann ich auch nicht wegzaubern, aber der kleine stickige Raum, ganz allein, nur ich gegenüber hinter den Doppelglasfenstern in einem anderen kleinen stickigen Raum, lassen schnell eine zumindest sehr private Stimmung aufkommen. Bisschen wie auf dem Beichtstuhl, obwohl ich nie einen besucht hab.

Gut ist, dass der oder die jeweiligen Sprecher erstmal “eingepegelt” werden – also Lautstärke usw. angepasst wird. Dabei lesen meine Gäste schon mal ihren Text und kommen ein bisl an. Ich lasse dabei jeden das machen was er oder sie sich für die Rolle vorstellt. Oft gebe ich zuvor noch einen Einblick, wo in der Geschichte wir uns gerade befinden und wir sprechen kurz über den Charakter. Wenn die Stimmlage sitzt, drücke ich die 3 und “Aufnahme läuft!” – das sage ich übrigens nie. Meistens bekommen meine Kollegen als Startzeichen eine überschwengliche Handbewegung durch die Doppelglasscheiben zu sehen, wie ein Dirigent..

Anfangs fiel es mir vor allem schwer die Worte zu finden, die beschreiben, was ich gern wie anders hören möchte. Rumeiern und nach Worten ringen war dann die Folge, bis wir dann gemeinsam durch Versuch – Scheitern – neuer Versuch zu etwa Schönem gelangt sind. Heute kann ich bei Patrick z.B. auch einfach nur den Regieknopf drücken, der meine Stimme in seine Sprecherkabine bringt und kurz “NÄÄÄT” ausstoßen und er weiß genau, dass ich ihn grad dabei erwischt hab, wie er seinen Lieblingsaussprache-Fehler am Ende des Satzes zum Besten gab. Man versteht sich fast ohne Worte. Der Regieknopf ist also mein Machtinstrument. Ich nutze ihn zur Einstimmung, zur Korrektur, wenn die Leute einfach nicht vorlesen wollen was da steht und gerne auch mal wenn Nebengeräusche an mein Ohr dringen. Die Mikrofone in diesen Studios sind so unglaublich sensibel, dass ich nicht nur hören kann, was der Mundraum des Sprechers produziert, sondern auch was die Verdauung grad treibt. Das hat so manchen Gast schon zur Weißglut getrieben, wenn das Knurren des Magens in eine Schleife von Wiederholungen ausartete. Auch die Bewegung von Kleidungsstücken, das Papier oder das Auflegen der Hand auf den Tisch dringt an mein Ohr und kann zu einer Aktivierung des Regieknopfes führen.

Manche Kollegen überraschen mich total und da sitzt jede Rolle und sie gehen total schön aus sich raus, das macht nen riesen Spaß. Mittlerweile hab ich Strategien entwickelt, wann ich was anrege. Die meisten Kollegen sind im Studio ziemlich entspannt, aber auch anspruchsvoll, darum muss ich klare Ansagen machen. Manchmal bin ich es, die nicht locker genug ist und manchen Spaß kann ich gar nicht mitnehmen, weil ich zu sehr auf Konzentration geeicht bin und es in meinem Kopf rotiert. Meistens freuen sich die Stimmen, wenn ich Ihnen eine Idee für die Rolle in die Sprecherkabine reingeben kann – also vorsagen. Manchmal hab ich auch eine richtig gute Idee und manchmal machen sie das viel besser ohne meine Stimmungshilfe.

Richtig albern wird es, wenn ich mehrere Sprecher im Studio hab. Die Menge an Outakes ist nicht zu schlagen. Es wird selten so viel und laut gelacht, wie wenn die Ferkelchen oder die Pferde zum Auftritt kommen.

Umso öfter man im Studio arbeitet, desto entspannter und routinierter läuft alles, ob als Sprecher oder in der Aufnahme. Wir lernen hier ganz schön was dazu. Alle wissen jetzt wie es läuft und worum es geht und der Zuspruch unserer Hörer spornt uns weiter an.

sabrina

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